2026 bringt für die Papier- und Verpackungsindustrie neue Herausforderungen und veränderte Rahmenbedingungen. Märkte, Regulierungen und Versorgungssicherheit entwickeln sich dynamisch – strategische Entscheidungen werden komplexer.
Thomas Strieder im Interview
Im Interview erklärt Thomas Strieder, Sales Director bei OutNature, welche Trends sich für 2026 abzeichnen und warum systemisches Denken zunehmend an Bedeutung gewinnt. Er zeigt, weshalb Materialentscheidungen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern im Zusammenspiel von Verfügbarkeit, regulatorischen Anforderungen und Umweltwirkungen.
Thomas, welche Rolle hast du bei OutNature und warum beschäftigst du dich intensiv mit den Entwicklungen der Branche?
Als Sales Director bei OutNature bin ich sehr nah am Markt: im Austausch mit Kunden, Partnern und Entscheidern aus der Papier- und Verpackungsindustrie. Dadurch sehe ich früh, welche Anforderungen sich verändern, sei es durch Regulierung, Kostendruck oder neue Erwartungen an Materialien.
Gerade deshalb ist es mir wichtig, nicht nur kurzfristige Lösungen zu denken, sondern Entwicklungen einzuordnen, die die Branche langfristig prägen werden. 2026 wird aus meiner Sicht ein entscheidendes Jahr, in dem viele Trends zusammenkommen und wirksam werden.

Wenn du auf 2026 blickst: Welche übergeordneten Trends siehst du in der Papier- und Verpackungsbranche?
Wir sehen klar, dass sich die Branche von reinen Materialdiskussionen hin zu systemischen Fragen bewegt. Es geht nicht mehr nur darum, welches Material eingesetzt wird, sondern woher es kommt, wie stabil die Versorgung ist und wie gut es in bestehende Kreisläufe integriert werden kann.
Für 2026 bedeutet das: Versorgungssicherheit, regulatorische Anforderungen und Umweltwirkungen greifen immer stärker ineinander und werden gemeinsam zum Innovationstreiber.
Welche Rolle spielen alternative Fasern in diesem Wandel?
Alternative Fasern rücken genau deshalb stärker in den Fokus, weil sie mehrere Herausforderungen gleichzeitig adressieren. Der Rohstoff Holz ist endlich und unterliegt wachsenden Nutzungskonflikten. Gleichzeitig steigt der Bedarf an faserbasierten Verpackungen weiter.
Pflanzenfasern wie Silphie, Stroh oder Paludi-Biomasse eröffnen hier neue Spielräume. Sie wachsen schnell nach, können in Deutschland angebaut werden und erweitern die Rohstoffbasis der Industrie.

Was unterscheidet diese Faserlösungen von klassischen Rohstoffen, auch aus Sicht der Industrie?
Der Unterschied liegt weniger in einem einzelnen technischen Merkmal, sondern im Gesamtsystem. Alternative Fasern ermöglichen es, Rohstoffströme breiter aufzustellen und Abhängigkeiten zu reduzieren.
Für die Industrie wird es zunehmend relevant, Materialien einzusetzen, die planbar verfügbar, schnell nachwachsend und flexibel in bestehende Prozesse integrierbar sind. Genau hier setzen wir an: mit Fasern, die nicht nur innovativ sind, sondern auch industriell gedacht werden können – ohne Abstriche bei zentralen technischen Eigenschaften, wie der Stabilität machen zu müssen.
Wie verändert das konkret die Papier- und Verpackungsindustrie?
Es ist mehr als ein Materialwechsel. Wir sehen einen Wandel weg von linearen Denkweisen hin zu einer echten Kreislauflogik.
Für die Verpackungsindustrie heißt das: Umweltwirkung, Ressourcenverfügbarkeit und Versorgungssicherheit werden zu strategischen Faktoren. Unternehmen, die früh beginnen, ihre Rohstoffbasis zu diversifizieren, verschaffen sich langfristig Stabilität, sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch.

Welche Erwartungen haben Kunden und Marken in Richtung 2026?
Marken erwarten zunehmend belastbare Lösungen statt reiner Versprechen. Sie wollen Materialien, die nachvollziehbar sind, regulatorischen Anforderungen standhalten und langfristig verfügbar bleiben.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass Verpackung ein zentraler Teil der Markenwahrnehmung ist. Die Wahl des Faserstoffs wird damit zu einer strategischen Entscheidung.
Welche Rolle spielt OutNature in diesem Transformationsprozess?
Unsere Rolle sehen wir darin, Brücken zu bauen: zwischen Landwirtschaft, Materialentwicklung und industrieller Anwendung.
Wir zeigen, dass alternative Fasern kein Zukunftsszenario sind, sondern bereits heute einsetzbar. Mit jedem Projekt machen wir sichtbar, wie Kreisläufe neu gedacht werden können – praxisnah, skalierbar und mit Blick auf die realen Anforderungen der Industrie.

Zum Abschluss: Was wird aus deiner Sicht 2026 über Erfolg in der Branche entscheiden?
Erfolg wird davon abhängen, wie offen Unternehmen sind, neue Wege zu gehen. Wer frühzeitig bereit ist, Ressourcen anders zu denken und Kreisläufe aktiv mitzugestalten, wird langfristig resilienter aufgestellt sein.
